Stellungnahme des LVTS e.V. zur Reform der Bildungspläne (2015)

GrundschuleGymnasiumSekundarstufe 1 Allgemein bildenden Schulen

Die Reform der Bildungspläne legt zu Recht besonderen Wert darauf, dass die individuelle Kompetenzentwicklung des Kindes und der Jugendlichen, also der „Bildungsprozess“, als zentraler Aspekt beachtet wird.
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Stellungnahme zur Streichung der Koordinierungsstelle für Schultheater

Konstanz, den 31. Juli 2015

Stellungnahme zur Streichung der Koordinierungsstelle für Schultheater

Sehr geehrter Herr Minister Stoch,
wir mussten leider zur Kenntnis nehmen, dass die Koordinierungsstelle für Schultheater, die in den letzten Jahrzehnten von Werner Jauch besetzt war, ersatzlos gestrichen wurde.
Das finden wir aus mehreren Gründen schwer nachvollziehbar, kontraproduktiv und überaus bedauerlich: „Stellungnahme zur Streichung der Koordinierungsstelle für Schultheater“ weiterlesen

Reaktion der CDU auf die Stellungnahme des LVTS zu den Bildungsplänen

Sehr geehrte Frau Kienle-Weber,

für Ihre Mail vom 2. Juli 2015 und die Zusendung der Stellungnahme des Landesverbands Theater in Schulen Baden-Württemberg zur Reform der Bildungspläne danke ich Ihnen. Ihre Stellungnahme habe ich mit Interesse gelesen. Gerne wird die CDU-Landtagsfraktion sie bei ihrer Gesamtbetrachtung der Bildungspläne berücksichtigen und die Anliegen und Positionen der Schultheater in die anstehenden parlamentarischen Beratungen einfließen lassen. Kunst und Kultur sind aus meiner Sicht wesentliche Bestandteile einer umfassenden Bildung, die es dem Einzelnen ermöglicht, sich zu entfalten. Kulturelle Bildung trägt gerade bei Kindern und Jugendlichen zur Persönlichkeitsentwicklung bei, vermittelt Werte und fördert die Entwicklung eines ästhetischen Bewusstseins. Deshalb stellt das Thema „Kulturelle Bildung“ auch einen wichtigen Baustein der Kunstkonzeption „Kultur 2020. Kunstpolitik für Baden-Württemberg“, die von der CDU-geführten Landesregierung erarbeitet worden war, dar. Die Theater nehmen im Bereich der kulturellen Bildung eine bedeutende Rolle ein. Vor diesem Hintergrund bedaure ich es wie Sie sehr, dass das Kultusministerium in den Bildungsplänen kein Leitprinzip kulturelle Bildung vorsieht. Aus meiner Sicht hätte dies dazu beigetragen, der kulturellen Bildung einen noch höheren Stellenwert an den Schulen beizumessen. Auf meine Anfrage hin hat die Landesregierung aber zumindest angekündigt, die kulturelle Bildung in der Einführung zu den neuen Bildungsplänen prominent zu benennen. Die entsprechende Drucksache finden Sie beigefügt. Die CDU-Landtagsfraktion wird sich weiter dafür einsetzen, dass die kulturelle Bildung zukünftig eine angemessene Rolle an den Schulen spielt.

Mit freundlichen Grüßen

Sabine Kurtz
Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg Wahlkreis Leonberg – Herrenberg – Weil der Stadt

Haus der Abgeordneten
Konrad-Adenauer-Str.12
70173 Stuttgart
Tel. (0711) 2063-951
Fax (0711) 2063-14951
E-Mail: sabine.kurtz@cdu.landtag-bw.de
www.sabine-kurtz.de

Stellungnahme des LVTS zu den Bildungsplänen

Stellungnahme des Landesverbandes Theater in Schulen Baden-Württemberg e.V. (LVTS B-W) zur Reform der Bildungspläne

Die Reform der Bildungspläne, die in Baden-Württemberg derzeit erarbeitet werden, legt zurecht besonderen Wert darauf, dass die individuelle Kompetenzentwicklung des Kindes und der Jugendlichen, also der „Bildungsprozess“, als zentraler Aspekt beachtet wird.
Die Bedeutung der ästhetischen Bildung für diesen Bildungsprozess wird von Experten verschiedenster Richtungen hervorgehoben. In diesem Rahmen bietet Theater einen ganz besonderen Zugang für Kinder und Jugendliche in der Verbindung von ästhetischer Bildung mit eigenem praktischem, künstlerischem Handeln.

Mit der Ausnahme des Oberstufen-Wahlfachs Literatur und Theater, für das ebenfalls gerade der Bildungsplan überarbeitet wurde, der dann mit den anderen Bildungsplänen in die Anhörung geht und 2016 umgesetzt werden wird, ist Theater an den baden-württembergischen Schulen nur im freiwilligen Ergänzungsbereich möglich, für den es keine Bildungspläne gibt. In einzelnen Fächern können jedoch theaterpädagogische Arbeitsweisen sinnvoll eingesetzt werden; diese sollten wie bisher dort auch in den Bildungsplänen verankert werden.

Exemplarisch kann hier der Bildungsplan der Grundschule betrachtet werden. Erfreulich ist aus unserer Sicht, dass hier das szenische Spiel als prozessbezogene Kompetenz (vgl. Deutsch S.2: / Sprechen und Zuhören – ausdrucksvoll sprechen, etwas vortragen, szenisch spielen) aufgeführt wird. Als Teilkompetenzen werden hier außerdem (vgl. S.12) theatrale Formen ausprobieren (zum Beispiel Tanz, Performance) und Spielszenen zu ausgewählten Texten gestalten genannt.
Dabei spielt aus unserer Sicht der zugeordnete Denkanstoß „Wie sind theatrale Formen dauerhaft und wiederkehrend im Schulcurriculum verankert?“ eine entscheidende Rolle. Er sollte im Sinne eines Leitgedankens als durchgehende Aufgabe über alle Schulstufen und Schularten hinweg betrachtet werden.

Auch der Entwurf des Bildungsplans im Fach Deutsch für die Sekundarstufe berücksichtigt vor allem bei den prozessbezogenen Kompetenzen eine Reihe von Aspekten der Theaterarbeit. So heißt es in der Kompetenzbeschreibung im Bereich I Sprechen und Zuhören: „Sie entwickeln Ausdrucksmöglichkeiten im szenischen Spiel und im Rollenspiel und nutzen theaterspezifische Ausdrucks- und Kommunikationsformen.“ Sowohl bei den Einstellungen als auch bei den Teilkompetenzen finden sich dann entsprechende Teilaspekte, so zum Beispiel in den Punkten 21 und 22, in denen festgehalten wird, dass Schülerinnen und Schüler „in Rollenspiel und szenischer Darstellung eigene Erlebnisse, Haltungen und Situationen darstellen und reflektieren“ sowie „Texte szenisch gestalten“ können.

Im Bereich II Schreiben fehlt hingegen eine explizite Verankerung des szenischen Schreibens, das im Zusammenhang des kreativen und produktiven Gestaltens als Punkt 39 seinen sinnvollen Platz haben könnte.

Im Bereich III Lesen wäre eine differenziertere Begrifflichkeit wünschenswert, so bei Teilkompetenz 13. Hier könnten Methoden der Rollengestaltung wie Rollenbiographie, Rolleninterview usw. eingeführt werden, die „szenische Umsetzung“ ist als Begriff nicht deutlich genug. In Punkt 29 wird der Begriff der „szenischen Interpretation“ wohl bewusst vermieden.
Bei den inhaltsbezogenen Kompetenzen besteht die Gefahr, dass theaterspezifische Fähigkeiten und Kenntnisse nicht als eigenständige Kompetenzen wahrgenommen werden. Grundbegriffe aus dem Bereich Theater zu kennen, ließe sich auch auf der Orientierungsstufe mit dem praktischen Tun (s. o. „szenisch gestalten“) vereinbaren, es sollte sich nicht auf Dialog und Regieanweisung (vgl. S. 14) beschränken. Unbedingt muss dann bei der Erweiterung der inhaltsbezogenen Kompetenzen für die ganze Sekundarstufe auf Klarheit geachtet werden, so dass nicht nur mit szenischen Verfahren gearbeitet wird, sondern dass diese auch reflektiert werden und in ihrer Eigenheit und in ihrem Verhältnis zur Theaterkunst gesehen werden.
Abschließend möchten wir hervorheben, dass bei den Leitperspektiven unserer Ansicht nach eine zentrale fehlt: Kulturelle Bildung. Dies erstaunt uns umso mehr, als wir bisher den Eindruck hatten, dass die Kulturelle Bildung der aktuellen Landesregierung ein wichtiges Ziel sei. Aus diesem Grund ist es uns ein wichtiges Anliegen, dass dies in der Anhörung als Defizit benannt wird, sodass die Kulturelle Bildung in ihrer Bedeutung als Grundsäule schulischer Bildung noch verankert werden kann, wenn nicht als Leitprinzip, dann doch in anderer Form.

Heike Kienle-Weber, Christian Schulz und Klaus Wegele
für den Vorstand des LVTS Baden-Württemberg